Finishing 6 – 1. DEL-Spieltag 20/21

Ein Eishockeyspiel beginnt mit den Starting 6, den Rückblick von Christoph Fetzer auf den DEL-Spieltag gibt es hier in den Finishing 6.

Danke an @le_affan für die umfangreichen Statistiken.

#1 (FAST) KEINE BLOWOUTS

12 Mannschaften waren am ersten DEL-Spieltag im Einsatz, für die Kölner Haie, die Augsburger Panther, den ERC Ingolstadt und die Nürnberg Ice Tigers war es das erste Pflichtspiel nach langer Pause. Die Siege am 1. Spieltag gingen zwar alle an Mannschaften, die auch beim Magenta Sport Cup schon dabei waren. Aber Blowouts gab es – mit Ausnahme des 5:1 zwischen Mannheim und Nürnberg – nicht. Die Ergebnisse waren nicht wild, die Spiele ansehnlich und spannend. Natürlich haben sechs der 14 Mannschaften noch viel zu tun, um ihr Niveau zu erreichen. Das wird wohl noch ein bisschen dauern. Aber wettbewerbsfähig scheinen alle Teams zu sein. Gut für die Liga.

#2 ZEIT DER YOUNGSTERS

Gitterspieler Moritz Elias (16) zieht entschlossen vors Tor, zockt, scheitert, aber der 19-jährige John Broda vollendet und erzielt das einzige Tor der Nürnberg Ice Tigers im Spiel gegen die Adler Mannheim. Erster DEL-Treffer für Broda, das Gleiche gelang Augsburgs Maximilian Eisenmenger (22). Die Chance für junge Spieler, sich in der DEL zu zeigen, war wahrscheinlich noch nie so groß wie jetzt. Notgedrungen müssen die (meisten) Clubs sparen. Das führt dazu, dass Spieler eine Chance in der Liga bekommen, die sonst keinen Platz im Kader hätten. Wie Bernd Schwickerath in den aktuellen Shorthanded News sagt, wurden zum Start der Saison 2019/20 fünf U21-Spieler eingesetzt. Dieses Mal waren es am 1. Spieltag schon elf – obwohl einige bei der deutschen U20-Nationalmannschaft weilen. Es macht Spaß, diesen Spielern zuzuschauen. Und hoffentlich führt das zu der Erkenntnis, dass man auch in einer „normalen“ Saison auf sie setzen kann.

#3 BESONDERE SITUATION – BESONDERE SPIELER

Die unsicheren Jobaussichten bringen es auch mit sich, dass wir in dieser Saison eine Reihe von Eishockeyspielern in der DEL sehen, die sonst in anderen Ligen spielen würden. Die Leihen von Dominik Kahun (München) sowie Marc Michaelis und Lean Bergmann (Mannheim) sind zwar bereits wieder beendet. Aber ein paar geduldigen Managern (huhu, Larry Mitchell) sind bei der Kaderplanung ganz gute Steals gelungen. Sollte Leon Gawanke die komplette Saison in Berlin spielen, sehen wir auch einen Deutschen in der DEL, der in Nordamerika wohl sehr gute Chancen haben wird.

 #4 WHO PUT THE POWER INS POWERPLAY DER EISBÄREN BERLIN?

In der Saison 19/20 hatten die Eisbären Berlin eine Powerplay-Quote von 16,1 %, nur drei Mannschaften waren schlechter, nur drei Mannschaften schossen weniger Tore in Überzahl. Diese Schwäche setzte sich beim Magenta Sport Cup fort. Aber im ersten richtigen Saisonspiel schossen die Eisbären zwei Powerplay-Tore. Mit Kris Foucault, Mark Zengerle, Giovanni Fiore und Matt White sind vier der fünf Spieler der ersten Powerplay-Formation neu. Zengerle hat in Bremerhaven schon seine Qualitäten als Spielmacher bewiesen, dazu ist er wie Foucault und White schnell und technisch stark, das hilft beim Aufbau.

Foucault ist der Go-to-guy und das völlig zu Recht. 2019/20 schoss er acht Überzahltore aus dem (rechten) Bullykreis, fünf davon per Onetimer – beides war DEL-Topwert. Genau auf diese Weise traf er auch gegen Bremerhaven. Guter Aufbau, schnelle Scheibenbewegung, jeder wird gemäß seinen Stärken eingesetzt. Das hat Potenzial.

#5 CHIP IT LIKE CHARLIE

Die Youngster waren oben schon Thema. Zu den blutjungen Spielern gehört Charlie Jahnke nicht mehr, er ist mittlerweile 22. Aber in dieser Saison – seiner zweiten im Trikot der Düsseldorfer EG – könnte er den endgültigen Durchbruch schaffen. Dass Jahnke ein lässiger Kerl ist, der nicht unbedingt dem Prototyp des Eishockeyspielers entspricht, zeigt er regelmäßig in den sozialen Medien. Dass er DEL-Format hat, hat er schon mehrmals angedeutet. Nach einem aus persönlicher Sicht gelungenen Magenta Sport Cup zeigte Jahnke sein Können auch im ersten Saisonspiel der DEG gegen die Kölner Haie. Ein Tor aus dem Spiel heraus, ein super Penalty – toller Auftritt.

Wer Jahnke näher kennenlernen will, hört am besten Bend your knees. Meine These: Charlie Jahnke könnte ein Spieler sein, dem die Geisteratmosphäre entgegenkommt, weil er manchmal zu viel nachdenkt und sich bei negativen Zuschauerreaktionen von seinem Weg abbringen lässt. Ohne Zuschauer trauen sich solche Spielertypen etwas mehr zu, versuchen Tricks ein zweites oder drittes Mal. Hätte Jahnke den Penalty im Derby auch so drecksgeil verwandelt, wenn die Hütte voll gewesen wäre? Mag sein. Gut möglich aber auch, dass er es sich nicht getraut hätte.

#6 FINISHING UP

  • Andere Liga, gleiche Sportart – und hoffentlich eine Auszeichnung mit Signalwirkung fürs Eishockey: Leon Draisaitl ist Deutschlands Sportler des Jahres. Glückwunsch!
  • Überragende Leistung von Schwenningens Goalie Joacim Eriksson beim 2:1-Sieg gegen Ingolstadt mit mehreren Big Saves. Beim 5-gegen-5 lag sein Goals-Saved-Above-Average-Wert bei 2,64. Anders ausgedrückt: Mit der durchschnittlichen Save-Percentage in der DEL hätte Schwenningen 2,64 Gegentore mehr kassiert. Also zwei. Also verloren 😉
  • Die Fischtown Pinguins Bremerhaven werden in dieser Saison eine gute Rolle spielen. Sie aber zum Geheimfavoriten auf den Titel zu ernennen (Hat das jemand?), wäre zu hoch gegriffen.
  • Mit Doppeltorschütze Max Görtz scheinen die Grizzlys Wolfsburg einen echten Sniper verpflichtet zu haben. Einer, der weiß, wo er sich hinbewegen muss und dann zuschlägt. Im Eishockey sind alle Feldspieler fast immer in Bewegung. Viele Tore fallen aber „aus dem Stand“. Den Raum, in dem man stehen kann, muss man erst einmal finden. Auch das macht gute Torjäger aus.