Tim Stützle und die Sache mit der “88”

Es hat in Deutschland für Verwunderung gesorgt, dass Tim Stützle ein Trikot mit der Nummer “88” überzog, als er vergangene Nacht im Draft an dritter Stelle von den Ottawa Senators ausgewählt wurde. Die “88” hat sich in Deutschland die braune Meute geschnappt. Das “H” ist der achte Buchstabe im Alphabet, das Wort “Heil” beginnt mit ihm und der Rest erklärt sich von selbst.

Tim Stützles Nummer in Deutschland – sowohl im Nachwuchs der Adler Mannheim als auch in der DEL – war die “8”. Doch die gehörte bei den Ottawa Senators einst Frank Finnigan und ist wie Chris Philipps’ “4” und Daniel Alfredssons “11” retired. Also, so Stützle, überlege er, in der NHL künftig die “88” zu tragen.

Nun wird Tim Stützle diese Nummer ziemlich sicher nicht aus politischer Gesinnung heraus wählen. Er nimmt einfach zweimal die “8” – so wie andere Spieler bei einem neuen Team die beiden Zahlen ihrer Rückennummer drehen oder zusammenzählen. Tim Stützle mit der “88” auf dem Rücken, das wäre wahrscheinlich einfach Unwissenheit.

Aber dennoch ließe sich die Rückennummer von braunen Idioten trefflich instrumentalisieren, vor allem wenn Stützle eine ähnliche Karriere hinlegt wie der aktuelle NHL-MVP Leon Draisaitl. Sollte Stützle trotzdem bei der “88” bleiben, weil er nicht auf seine “8” verzichten müsste und weil Eishockeyfans bei der Nummer an Stars wie Eric Lindros oder Patrick Kane denken, sie in der Sportart sogar positiv besetzt ist? Das Thema wird kontrovers diskutiert.

Bitte entschuldigt den Fehler im ursprünglichen Tweet. Die “8” gehörte bei den Ottawa Senators Frank Finnigan, Chris Philipps trug die “4”.
(Bitte entschuldigt den Fehler im ursprünglichen Tweet. Die “8” gehörte bei den Ottawa Senators Frank Finnigan, Chris Philipps trug die “4”.)

Natürlich *darf* Tim Stützle die “88” tragen. Er sollte sich aber im Klaren sein, wie das von denen instrumentalisiert werden kann, die am lautesten und ekelhaftesten schreien. Deswegen wäre er gut beraten, sich für eine andere Rückennummer zu entscheiden. Es gibt so viele Möglichkeiten – das eigene Geburtsjahr, das Geburtsjahr von Mutter oder Vater, der Tag des NHL-Drafts, des ersten DEL-Spiels, des ersten DEL-Spiels eines 17-Jährigen mit fünf Scorerpunkten. Oder die “92”, der umgedrehte Leon Draisaitl. Denn dass Tim Stützle Druck haben wird, weiß er heute schon. Er muss sich mit der “88” keinen unnötigen zusätzlichen Ballast aufladen.

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